[PRESSE] Krankenkassen fürchten kollektiven Kollaps
Nachdem ich nun schon seit einiger Zeit den nahenden System-Kollaps des öffentlichen Gesundheitssystems erwarte, scheint dies auch endlich bei den zuständigen Krankenkasse angekommen zu sein. Dies ist zumindest die Kernaussage des letzten Treffens vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen.

Foto: Michael Kappeler/ddp via Spiegel Online
Spiegel Online schreibt dazu heute:
Krankenkassen fürchten kollektiven Kollaps
Dominoeffekt bei Krankenkassen: Eine nach der anderen könnte umkippen
[...]Die größte Sorge der Verbandsoberen Pfeiffer ist, dass in der gesetzlichen Krankenversicherung bald “Domino Day” ist: Gerät eine Kasse in Schieflage, reißt sie die anderen mit in den Abgrund. Das hat damit zu tun, dass jede Versicherung, die ihre Ausgaben nicht mehr bezahlen kann und keinen reichen Kassenonkel findet, entweder Insolvenz anmelden muss oder geschlossen wird. Ein Schicksal, das der City BKK zum 1. September droht.
Eigentlich könnte das den Versicherten egal sein, da sie problemlos zur Konkurrenz wechseln können. Nur lässt sich das von der Kasse angehäufte Minus nicht durch Insolvenz oder Schließung wegzaubern. Dafür aufkommen müssen zunächst die Mitbewerber einer gleichen Kassenart - also bei einer BKK die anderen Betriebskrankenkassen. Diese Mehrbelastung könnte wiederum Anbietern, die sich gerade noch so durchhangeln, den Todesstoß versetzen. Im schlimmsten Falle ginge eine Kasse nach der nächsten in die Knie.[...]
Domino-Day wird glaube ich mein persönliches Un-Wort des Jahres 2010. Aber warum sollte das bei den KK systemisch anders laufen als im Finanzsektor bzw. den Euro-Ländern.
Die Welt schrieb schon am 19.06.2010:
23 deutschen Krankenkassen droht die Insolvenz
Nach Berechnungen des Spitzenverbandes der Krankenkassen ist die Finanznot gesetzlicher Kassen größer als angenommen.
[...]Die Finanznot unter den knapp 160 gesetzlichen Krankenkassen ist offenbar größer als bislang angenommen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stufte in einem internen Rating insgesamt 23 Kassen als „gefährdet“ ein, darunter allein 20 Betriebskrankenkassen (BKK), wie der „Focus“ berichtete. Für 46 Versicherer gilt demnach die Warn-Bewertung „zu beobachten“.[...]
Das ist nun nicht wirklich etwas neues und scheint angesichts der aktuellen Lage der globalen Finanzmärkte auch schlüssig, aber wenn die frohe Nachricht jetzt sogar im Spiegel angekommen ist, dann muss es um die tatsächliche Lage der gesetzlichen KK wirklich übel bestellt sein.
Ich nehme mir mal eine große Tüte Popcorn und schau mir dann an, wie der freundliche Mob von Nebenan reagiert, wenn er plötzlich spitz bekommt, das er seine Arztrechnung (und die seiner Kinder) in Zukunft wohl wirklich selber zahlen darf. Nicht, dass die nach der BuPrä Wahl anstehenden Steuererhöhungen und zusätzliche Kürzungen den finanziellen Freiraum des kleinen Mannes ohnehin schon Übergebühr einschränken.
UTW rät:
Macht 2010 zu eurem persönlichen Jahr der Gesundheitsvorsorge! Lasst eure Zähne komplett machen, nehmt noch alle Vorsorgeuntersuchungen mit, die ihr bekommen könnt, lasst euch eine neue Brille verschreiben und verursacht bei den KK all die Kosten, die ihr schon ewig verursachen wolltet… solange ihr es noch könnt. Und besser noch: kümmert euch um eure Gesundheit, dass ihr garnicht erst krank werdet!
Damit ihr auch morgen noch kraftvoll zubeißen könnt.
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